loslassen


Ich hab meine Wand gestrichen. Bin gerade mit der ersten Schicht fertig, und die Worte schimmern nur noch ein bisschen durch das Weiß. Die Wand sieht jetzt so aus wie ich mich fühle. Man sieht noch was es mal war, aber es ist weg. Irgendwie hab ich mir gewünscht, dass irgendjemand mir schreibt, mich fragt, warum ich das mache, ob alles okay ist. Vermutlich hätte ich gelogen, aber der Versuch zählt. Vielleicht ist 23 Uhr nicht der beste Zeitpunkt für solche Hoffnungen.
Ich weiß nicht warum ich so traurig bin, warum momentan alles schon wieder so scheiße ist. Ich weiß auch nicht genau warum ich die Wand gestrichen habe. Die offizielle Antwort ist, weil ich lernen will loszulassen. Aber dann hätte ich die gegenüberliegende Seite streichen müssen. Bei der fällt es mir nämlich wirklich schwer. Hab ich aber nicht. Es war ein Mini-Baby-Schritt, und währenddessen habe ich darüber nachgedacht ob ich das womöglich nur mache, um meinen Eltern diese Arbeit zu ersparen. Also in der Zukunft.. irgendwann. Ich vermisse meine frühere beste Freundin. Und nein, ich will sie nicht zurück haben, und ich würde ihr auch niemals schreiben. Ja wirklich niemals. Eins dieser drastischen Worte wie 'immer', die ich nur benutze wenn ich mir ganz sicher bin. Sie meinte ich solle ihr nicht mehr schreiben, und sie hoffe, dass sie sich dieses eine Mal auf mich verlassen könne. Vielleicht meinte  sie das nicht so, ich hab an dem Tag super viel verletzenden Bullshit geschrieben, aber das war mir damals eben nicht bewusst. Die Gründe waren richtig, aber die Art war mies. Und jetzt vermisse ich einen Menschen der gewusst hätte, dass irgendwas nicht stimmt, der mir sofort geschrieben hätte oder sogar ins Auto gestiegen wäre. So eine Freundin war sie nämlich. Ich wollte nicht mit einem Menschen befreundet sein, der mein gesamtes Umfeld scheiße fand, aber für mich war sie immer da. Ja, sie hat sich den ganzen Scheiß angehört, all meine 'nichtigen Probleme', und ich wusste das wohl nicht so zu schätzen. Ich glaube nicht, dass ich noch einmal einem Menschen so nah sein werde wie ihr. Und selbst wenn ich mein 'versprechen' brechen und den Kontakt wieder suchen würde, wäre es nie wieder so wie früher. Die Zeiten sind einfach vorbei. In den letzten Jahren sind so viele Menschen aus meinem Leben verschwunden, oder ich hab sie vielmehr vertrieben. Zu den wenigsten würde ich den Kontakt wieder aufleben lassen wollen, obwohl sie mir unendlich fehlen. Ich muss lernen loszulassen, das weiß ich. Denn die Vergangenheit kommt nicht mehr zurück, und traurig darüber nachzudenken, dass ich früher nicht so allein war, ändert nichts. Ich mag Veränderung, sage ich ständig, aber los lassen, das kann ich leider überhaupt nicht. Wird Zeit das anzupacken.
Wo zieht man die Grenze zwischen Erinnerungen bewahren, und Vergangenheit loslassen?

Mittlerweile hat doch jemand geschrieben. Jemand von dem ich es nicht erwartet habe. Ich fühl mich seltsam.

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