Letztendlich bist du eben doch eine Frau,...

.. und Frauen stehen nun mal auf Arschlöcher.


Ist das wirklich so? Wie sehr hängt das biologische Geschlecht mit Charaktereigenschaften und Vorlieben zusammen? Kann man so eine Aussage fundiert treffen?
Forschung entwickelt sich weiter, wir, also die Menschheit verwirft alte Vorstellungen und Ergebnisse, zugunsten von neueren, besseren. So hat man herausgefunden, dass die Chromosomen eben nicht primär ausschlaggebend dafür sind, welches Geschlecht ein Mensch ausbildet. Es gibt Menschen, die chromosomal betrachtet männlich sind, und trotzdem einen weiblichen Phänotypen ausbilden. (Phänotyp = äußeres Erscheinungsbild z.B. Penis, Vagina, Körperbehaarung, Stimme, ect.). Dementsprechend steht die Frage ''was macht einen Mann zum Mann, was macht eine Frau zur Frau'' schon im Raum bevor ich überhaupt anfange von Gender zu sprechen (Gender = Geschlechtsidentität).
Was ist ausschlaggebend, zur Bestimmung meines Geschlechts? Meine Körperlichen Gegebenheiten? Meine chromosomale Zusammensetzung? Oder das Zusammenspiel aller Körperinternen Prozesse, die mein Aussehen bestimmen? Selbst die Biologie unterteilt das körperliche Geschlecht ja nochmal in chromosomales (XX, XY, XXY), gonadales (innere Fortpflanzungsorgane), hormonelles und morphologisches Geschlecht. (Genitalien & sekundäre Geschlechtsmerkmale).
Wenn ich beweise, dass zwar meine Chromosomen, einer Frau entsprechend sind, ich aber viel mehr Testosteron in mir habe, als das für eine Frau üblich wäre, bin ich dann ein Mann?
Was, wenn ich mich entscheide mir Testosteron zu spritzen? Ich verändere mich dann äußerlich, bekomme vielleicht einen Bart, meine Taille füllt sich aus, meine Stimme kippt und wird vielleicht tiefer. Ich habe dann immer noch eine Vagina, aber sehe aus wie ein Mann. Was bin ich dann? Eine Frau mit männlichen Attributen, oder ein Mann mit weiblichen primären Geschlechtsorganen?
(Ist natürlich nur hypothetisch, es ist in Deutschland nicht so einfach solche Hormone zu bekommen).

Und gleichzeitig gibt es Studien, die Aussagen stützen wie 'Männer sind logischer, handwerklicher und weniger emotional' und 'Frauen sind emotionaler, besser in der Lage mehrere Dinge gleichzeitig zu tun und können kochen''. Begründet werden diese Annahmen mit der Aussage, dass weibliche und männliche Gehirne unterschiedlich aufgebaut und verschieden stark vernetzt sind. Man geht davon aus, dass bei Frauen rechte und linke Gehirnhälfte mehr Verbindungen aufweisen, als es bei Männern der Fall ist. Vor Allem soll das an unserer Geschichte liegen. Frauen waren für die Aufzucht der Kinder verantwortlich und die Männer fürs jagen. Dementsprechend wurden bestimmte Gehirnareale unterschiedlich stark beansprucht und das wirkt bis heute nach.
Gleichzeitig betonen Forscher aber auch, dass allein von der Struktur eines Gehirns keine Rückschlüsse auf das Geschlecht gezogen werden können. Die Frage, die ich mir stelle, ist: Sind Gehirne von Neugeborenen, dessen Eltern vorher nicht sein Geschlecht kannten, identisch oder bereits zu diesem Zeitpunkt dem jeweiligen Geschlecht angepasst?
Es heißt oft, Jungen spielen mit Autos, Mädchen mit Puppen, aber tun sie das wirklich freiwillig? Babies lernen durch beobachten, sie hören was Menschen um sie herum sagen, spüren wie auf sie reagiert wird. Und ja, da gibt es Unterschiede. Es fallen andere Begriffe für ein weibliches Baby als für ein männliches, selbst der Tonfall ist oft anders, und die Geschenke die Baby von Geburt an bekommt, sind auch eher selten geschlechtsneutral. Selbstverständlich bildet sich die soziale Kompetenz stärker bei einem Kind aus, das sich um Puppen kümmert, sie füttert, sich um sie sorgt, und selbstverständlich prägt sich das logische Denken & Vorstellungsvermögen stärker aus, wenn man von klein auf mit Bauklötzern Dinge baut.
Ja, selbstverständlich sind Gehirne dann unterschiedlich vernetzt, wenn man sie sich später anschaut, ist ja auch ganz klar, wenn nur bestimmte Areale gefördert und gefordert werden.
Es gibt natürlich auch einen biologischen Ansatz für dieses Thema, so geht man davon aus, das gewisse Merkmale sich eben doch durch Hormone ausprägen. Sowohl im Mutterleib, durch die hormonelle Zusammensetzung der Mutter, als auch einige Wochen nach der Geburt.
Spätestens an diesem Punkt wird klar, dass man Gender & biologisches Geschlecht nicht (vollständig) trennen kann. Geschlechterrollen bestehen in dieser Gesellschaft, und in den Köpfen eines jeden einzelnen von uns, und sie wirken sich auf andere Menschen aus, nicht nur auf uns selbst.

Kommen wir also zurück zum Anfang. Bin ich eine Frau, weil ich weibliche Geschlechtsmerkmale habe? Und lassen sich von diesen Geschlechtsmerkmalen Rückschlüsse auf meinen Charakter und meine Vorlieben ziehen? Gibt es Verhaltensweisen die untrennbar mit meiner biologischen Zusammensetzung verbunden sind, oder sind alle Verhaltensweisen erlernt und beeinflusst davon, dass mein Umfeld mich als weiblich identifiziert hat? Machen womöglich Geschlechtshormone aus, wer ich als Mensch bin? Und immer wieder die Frage: was bedeutet ''du bist eine Frau''?
Wenn sich neben gesellschaftlichen und sozialen noch so viele verschiedene biologische Faktoren auf die Ausbildung von Verhaltensweisen, Vorlieben und Interessen auswirken, haben die Begriffe 'Mann' und 'Frau' dann überhaupt eine Bedeutung? Ist irgendetwas davon noch aussagekräftig?
Wie kann man so komplexe Vorgänge versuchen auf lediglich zwei Menschengruppen zu reduzieren, sie versuchen in ein binäres System zu pressen, das ganz offensichtlich ja nicht existiert und funktioniert?
Das mag  bei rein äußerlichen Dingen ja vielleicht noch gehen, ein Penis ist da, oder eben nicht, die Unterteilung in Menschen mit Penis & Menschen mit Vagina funktioniert also, zumindest in vielen Fällen, was natürlich noch keine Auskünfte über die inneren Geschlechtsorgane gibt, aber von diesen Merkmalen auf Verhaltensweisen zu schließen, erscheint mir in Anbetracht der Forschung, doch sehr gewagt.

''Letztendlich bist du eben doch eine Frau, und Frauen stehen nun einmal auf Arschlöcher'' - Ich kann nicht beweisen, dass meine Interessen und Vorlieben in keinerlei Zusammenhang zu meinen Chromosomen und Hormonen stehen, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass diese Verallgemeinerung nicht richtig sein kann, wo doch der Unterschied zwischen Frauen untereinander teilweise größer ist, als der zwischen Mann und Frau. Schlussendlich, bin ich ein Mensch, und du bist ein Mensch, und auch alle anderen Männer* & Frauen* sind Menschen. Was spricht dagegen zu sagen ''Letztendlich bist du eben doch ein Mensch, und Menschen fühlen sich nun einmal von Unabhängigkeit und Stärke angezogen'' Ich sträube mich anzuerkennen, dass ich eine Frau sein soll, genauso wenig bin ich aber auch ein Mann.


Ich mache niemandem einen Vorwurf, der noch nicht die Zeit dazu gefunden hat sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Was ich aber sehr wohl verurteile sind Aussagen wie ''Für mich bist du aber nun einmal eine Frau'', wenn ich vorher darauf hingewiesen habe, dass ich mich mit diesen Bezeichnungen sehr unwohl fühle. Das, pardon, macht denjenigen nämlich schlichtweg zu einem rücksichtslosen Arsch. Selbstverständlich bin ich interessiert daran was mich in den Augen dieser Menschen zu einer Frau macht, Wissenschaft allein macht das Leben nun einmal eher selten aus, es geht auch um persönliche Sichtweisen.
Wenn du bis zu diesem Punkt gelesen hast und was dazu sagen kannst oder willst, freu ich mich total über ein Kommentar. Was bedeutet es für dich eine Frau, ein Mann oder ein Mensch zu sein? Findest du es wichtig dich selbst einem Geschlecht zuzuordnen? Definierst du dich vielleicht sogar darüber? Gibt es noch etwas, das du zu diesem Thema unbedingt loswerden möchtest? Tob dich gern aus (:


Wer sich traut, hier ein ausführlich recherchierter Text zum Thema (mit vielen Quellen, ect):
Soziologische Dimensionen von Geschlecht





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