Wenn ich sterbe


Tu jetzt bloß nicht so schockiert, auch du hast schon über deinen eigenen Tod nachgedacht. Vielleicht hast du Angst davor, vielleicht auch nicht, in jedem Fall ist er ungewiss, denn du weißt höchstwahrscheinlich nicht, wann er dich einholt.
Es ist ganz klar, dass wir darüber nachdenken, wie unser Leben enden wird, und vielleicht denken wir sogar über unsere Beerdigung nach. Ich persönlich habe sie mir schon öfter vorgestellt.
Wenn ich sterbe, dann wird mein Körper helfen, zumindest hoffe ich, dass er das kann. Ich spende alle meine Organe, jedes kleine, winzige Gewebestück, das man mir entnehmen kann. Und wenn das nicht möglich oder nötig ist, dann möchte ich als Versuchsobjekt dienen, oder als Übungsobjekt, Was heißt 'ich', eher mein Körper. Denn dieses tote Stück Fleisch, das bin ich nicht. Und das war ich auch nie. Falls es irgendwelche Reste von mir gibt, dann soll man sie einfach in den Krankenhausabfall schmeißen. Ich glaub aber leider, dass das laut des Gesetzes nicht erlaubt ist, was mich ziemlich ankotzt. Okay, was solls, ich bin dann tot, und bekomme eh nichts mehr mit, also ist es eigentlich scheißegal, was mit meinem Körper passiert. Ich weiß nicht wann ich sterbe, ich weiß nicht, wer zu dem Zeitpunkt meine 'engsten Vertrauten' sind, ob meine Eltern, Partner, Freunde, Kinder, oder ob ich womöglich niemanden habe, der sich irgendwie dafür verantwortlich fühlt. Ich glaube, letztendlich ist es dann sowieso deren Entscheidung, denn wie gesagt: ich bin ja tot.
Wer 'The Fault In Our Stars'' (Das Schicksal ist ein mieser Verräter ) von John Green gesehen oder gelesen hat, weiß dass Beerdigungen nicht für die Toten, sondern für die Hinterbliebenen sind, aber wenn ich so darüber nachdenke, habe ich schon meine eigenen Vorstellungen davon, wie das ablaufen sollte, auch wenn es egoistisch ist.
Wenn ich Einfluss darauf hätte, oder man mich fragen würde, was nach meinem Tod passieren sollte dann wäre es folgendes:
Zunächst wie schon erwähnt, all meine Organe irgendwie weiterreichen, genauso auch Gewebe, ect. und/oder mich zum rumschnippeln zur Verfügung stellen. Mögliche Reste (wenn das mit dem Müll tatsächlich verboten ist) verbrennen, und in die billigste Urne schlechthin packen. Also wirklich, bitte gebt kein Geld für so einen Scheiß aus. Falls Paps noch am Start ist, oder ich mir meine eigene Urne vorher gestaltet habe, dann sollte natürlich eine von denen benutzt werden, kostet dann ja nichts extra :D
Ich persönlich finde Friedhöfe total bescheuert, aber wenn derjenige der sich um meine Beisetzung kümmert, darauf besteht, ist es okay für mich. Lieber wäre es mir aber wenn ich einfach irgendwo verbuddelt werde. Auf ner Wiese, in einem Gemeinschaftsgrab, falls es sowas gibt, ect. Ich möchte auch nicht unbedingt einen Grabstein oder so.  Ich meine, klar, es ist schon cool, dass fremde Leute, dann vielleicht über den Friedhof gehen, 20 Jahre nach meinem Tod und sich fragen, wer wohl diese Person war, aber ganz ehrlich? Ich bin tot, die Leute sehen einen Namen, ein Datum, vielleicht einen netten Spruch. Wem soll das irgendetwas bringen? Und ein Ort für die Hinterbliebenen? Ehrlich? Ein Feld auf dem mehrere hundert Körper verbuddelt sind, soll die Möglichkeit bieten, den jeweiligen Toten zu ehren? Ich finde das eher gruselig.
Ich möchte keine Bestattungszeremonie auf dem Friedhof. Ich möchte, dass alle Menschen zusammen kommen, denen ich irgendetwas bedeute, oder bedeutet habe, sie sich gemütlich in irgendeinen Raum setzen, oder auf eine Wiese und dann einfach erzählen, inwiefern ich ihr Leben bereichert oder verändert habe. Oder auch einfach nur, was sie an mir mochten, oder was sie total angekotzt hat. Und ich will, dass die Leute ehrlich sind. Nicht diesen 'Sie war so ein wundervoller Mensch'- Bullshit, sondern 'sie hat mir das Herz gebrochen, aber ich bin dran gewachsen' oder 'sie war so fucking unpünktlich, das hat mich immer wahnsinnig genervt'. Und ich möchte nicht, dass alle lachen und feiern, weil sie mich kannten, nein, sie sollen ruhig heulen, wenn sie traurig sind, oder wütend sein, weil es unfair ist, dass ich gestorben bin, aber klar, auch lachen wenn jemand eine dieser total bescheuerten Geschichten erzählt. Ich möchte, dass Leute sich kennenlernen, falls sie sich noch nicht kennen, und einen Nachmittag lang, alle Erinnerungen rauskramen, die sie an mich haben. Egal wie bescheuert sie auch sein mögen. Ich will keine vorbereiteten Reden und kein 'herzliches Beileid'. Ich meine, was soll das? Wer sich die Zeit nimmt zu meiner ''Beerdigung'' zu kommen, der findet es offensichtlich nicht so super, dass ich tot bin.
So stelle ich mir das vor. Und falls das unmöglich ist, und es dieses in der Kapelle sitzen, einen Song hören und eine Rede halten geben muss, dann spielt das Intro des Albums 'The Poison' von Bullet for my Valentine, und lasst einen Fremden darüber reden, was für ein toller Mensch ich war, und wie ich mit meiner Persönlichkeit, so vielen Menschen geholfen habe, aber setzt euch danach alle zusammen und seid ehrlich.
Ich bin dann tot. Ihr werdet mich nie wieder sehen. Euch bleiben nur die Erinnerungen. Und das ist auch gut so. 

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