#fotoprojekt17 - April - Nähe

April - Nähe


Nähe ist irgendwie ein absurdes Konzept. Gestern war ich in einem Club, zusammen mit hunderten weiteren Menschen. Das Gefühl von Nähe blieb aus, obwohl ich ihnen durchaus nah war, schließlich waren wir in einem Raum. Die größte Nähe verspüre ich zu Menschen, die mehrere hundert, oder sogar tausende Kilometer von mir entfernt sind. Es ist seltsam wie wenig Nähe mit Distanz  zutun zu haben scheint.





 Irgendwie ist es witzig. Tatsächlich habe ich im Monat April sehr viel mehr Nähe gespürt als in vielen Monaten zuvor, und doch fällt es mir schwer darüber zu schreiben. Vielleicht gerade deswegen. Nähe, ist irgendwie auch Intimität, Vertrauen, 'sichwohlfühlen'. Die Entscheidung, diese erlebte Nähe mit fremden Menschen zu teilen ist einschüchternd, geradezu furcht-einflößend, und kostet so viel mehr Überwindung als ich es erwartet hätte.




Momente die mir wirklich nah gehen, sind häufig nicht die großen Ereignisse, die monströsen, vor Wichtigkeit nur so strotzenden Augenblicke, sondern solche wie das gemeinsame Warten auf einen Bus, an einem Ort voll von Erinnerungen, wo mir plötzlich bewusst wird, wie viel passiert ist, und wie unfassbar es ist, noch immer so nebeneinander da sitzen zu können. Es sind Augenblicke, wie das wortlose nebeneinander sitzen im Auto, auf der Autobahn. Oder auch nur etwas so banales wie ein abbrennendes Streichholz in der Dunkelheit. Von Milliarden lebenden Menschen, bedeuten diese Augenblicke nur maximal zwei Personen etwas, ist das nicht der Inbegriff von Nähe? Etwas zu teilen, das kein anderer Mensch je begreifen könnte? Egal wie schillernd man es auch beschreiben mag, egal wie viele Emotionen man in die Erklärungen einfließen lässt, so wird ein außenstehender doch niemals wirklich verstehen können, was es bedeutet.


In der heutigen Zeit spielt räumliche Distanz kaum noch eine Rolle. Wir sind vernetzt, verbunden, und das fast immer und überall. Nicht die Menschen in unserer direkten Umgebung sind uns nah, sondern Personen Kilometerweit entfernt. Auf der einen Seite ist es schön, dass wir auf diese Weise Menschen in unserem Leben behalten können, auch wenn sie weggehen, oder weggehen müssen, doch auf der anderen Seite, hängt diese Nähe an elektronischen Geräten, die wir einfach weglegen und ausschalten können. In der einen Sekunde sehen wir einen anderen Menschen noch, hören seine Stimme und es kommt uns vor als säßen wir in einem Raum. Im nächsten Moment ist der Bildschirm schwarz und wir sind allein. Ich glaube, Nähe war noch nie so flüchtig, wie in der heutigen Zeit. 

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