Frauentag - Feminismus & Geschlechterrollen


Heut ist der 08.03. das bedeutet heute ist Frauentag. Aber was bedeutet das? Ursprünglich wurde dieser Tag eingeführt um für das Frauenwahlrecht zu werben. Es ging also um die Befreiung der Frauen aus einem von Männern dominierten Gesellschaftssystem. Feminismus, Gleichberechtigung, dafür stand und steht der Frauentag. Es bedeutet nicht 'feier mich, ich habe eine Vagina', es bedeutet 'Ich habe eine Stimme'.
Ich bin sehr zwiegespalten was Feminismus angeht, ich bin kein Fan von Geschlechterrollen. Warum trennen wir Männer und Frauen? Ich finde, damit stellen wir indirekt weiterhin ein Geschlecht über das andere. Denn sollten wir nicht letztendlich einen Punkt erreichen, an dem der Inhalt der Hose nicht mehr aussagekräftig ist ?
Gleichzeitig scheint erst eine Gewisse Augenhöhe nötig zu sein, um diese Schwelle auch noch überschreiten zu können.

Heut Früh erfüllte ich noch das klassische Rollenbild eines Mädchens/einer Frau.

Ich bin rein biologisch höchstwahrscheinlich eine Frau. Aber ich fühle mich nur selten irgendwie anderen Frauen zugehörig. Klar, wenn wir gemeinschaftlich über Regelschmerzen klagen und einander Tipps zur Monatshygiene geben, dann schon, denn das ist für mich etwas, das sich eindeutig der Frau zuordnen lässt. Bei Makeup-tipps und Frisurfragen hört das aber schnell auf. Ich finde nicht, dass meine Haarfarbe davon abhängig ist ob ich einen Penis und Bartwuchs habe oder eine Vagina und Brüste. Es gibt viele Menschen die sagen, dass Frauen und Männer bereits jetzt gleichgestellt sind, dass wir in einer Gesellschaft leben in der wir uns frei entfalten können, unabhängig von unserem Geschlecht. Aber meine Erfahrungen sind anders. Sicher, es geht nicht mehr um die Frage ob eine Frau ihr eigenes Geld verdienen oder wählen gehen darf, diese Zeiten liegen glücklicherweise hinter uns, zumindest in Deutschland, und doch befinden sich in unseren Köpfen noch sehr stark sexistische Inhalte. Wenn wir abgesehen von den körperlichen Gegebenheiten nämlich vom Geschlecht unabhängig wären, gäbe es keine schiefen Blicke mehr, für den Mann im Pünktchen-kleid oder die Frau mit rasiertem Kopf und unrasierten Beinen.
Ich hab lange gebraucht um zu verstehen, was der Mann mit Makeup mit einer untergeordneten Rolle der Frau zutun hat, mittlerweile, nach unzähligen angeschauten Videos, und gelesenen Texten sehe ich aber klar.
In den Köpfen sind weiterhin viele Dinge an das Geschlecht geknüpft:

weiblich: Kleider, Röcke, enge Hosen (ohne nutzbare Taschen), Makeup, lange Haare, rosa, pink, Absatzschuhe, filigraner Schmuck, Ohrringe (ausgenommen Tunnel), lange Fingernägel, Nagellack

männlich: robuste Kleidung (Jeans, ect.), kurze Haare, blau, grau, dunkelgrün, große Uhren, ...

Frauen werden auf Schwäche reduziert. Hosen, die komplett unpraktisch sind, aber nett aussehen, (hauptsache es gibt keine Hosentaschen, damit man auch ja noch eine Handtasche mitschleppen muss und die Hände nicht frei hat) Kleider, die dafür sorgen, dass man auf gar keinen Fall irgendwelche körperliche Arbeit verrichten kann,... Ich bin der Meinung bei Frauen wird immer noch sehr viel mehr Wert darauf gelegt, dass sie 'hübsch' sind als darauf was sie leisten können, denken oder tun.
Einige denken sich jetzt vielleicht in einem kurzen Moment 'hah aber Frauen können mittlerweile genauso  auch kurze haare haben, blaue, graue, oder dunkelgrüne Klamotten tragen und in einer robusten Jeans mit großén Taschen als Automechaniker arbeiten.' - stimmt.
Dann sind Frauen doch überhaupt nicht benachteiligt. Sie haben viel mehr Möglichkeiten der Entfaltung als Männer, die im rosa Kleid mit pinken Fingernägeln und langen Haaren im besten Fall nur als schwul abgestempelt werden. Aber genau das ist der Punkt.
Wenn 'typisch männliche' Attribute auf Frauen angewendet werden ist das okay, weil diese in der Gesellschaft angesehen werden. Anders als weibliche, die keinerlei Bedeutung haben, keinerlei Bewandnis, die lediglich hübsch sind. Klar über Blondinen wird gewitzelt, über die platinblonden Tussis, die nichts im Kopf haben, und in einigen Bereichen hat sich die rein Oberflächliche Sicht auf Frauen bereits geändert, aber viel zu viele Kleinigkeiten fehlen noch.
Ich höre so oft, dass Männer keine richtigen Männer mehr sind, weil sie Skinny Jeans tragen und rosafarbene T-shirts. Warum? Weil sie damit Dinge annehmen die in den Köpfen der Menschen 'weiblich' also 'schwach' sind, und das ist scheinbar inakzeptabel.
Selbst einige Frauen bestehen darauf in ihrer Rolle zu bleiben. Sie bestehen darauf, dass Männer beim ersten Date zahlen, sie beschützen, ihnen vielleicht sogar die Tür aufhalten. Aber machen sie sich damit nicht selbst klein? Sagen sie damit nicht 'ich bin eine Frau und bin deswegen auf die Hilfe eines Mannes angewiesen'? Und das mit dem bezahlen  beim ersten Date ist sowieso total respektlos.

Wir beschäftigen uns in Deutschland heute nicht mehr mit extrem schlimmer Benachteiligung aufgrund des Geschlechtes. Penis oder Vagina, man darf wählen, arbeiten, sich frei bewegen, wichtige Entscheidungen treffen ...
Aber solange die Reaktion von Menschen auf die Aussage ich möchte mir die Haare abrasieren noch ist  'lass sie dran, glaub mir ich will nur das Beste für dich' nur weil ich keinen Penis habe, ich meine Beine aber schon rasieren sollte, es das 'Mädchenei' in rosa mit kleinen Puppen drin statt mit Segelfliegern zum selbst basteln  gibt und Hosen für Frauen, die nur so tun als hätten sie Taschen, weigere ich mich zu sagen, die Geschlechter seien gleichberechtigt.

Mein Beitrag zum Weltfrauentag 2017 - ich habe meine Haare abrasiert

Und der Frauentag bedeutet nicht im Supermarkt eine Blume geschenkt zu bekommen, sondern Wertschätzung zu finden, für Frauen die in der Vergangenheit dafür gekämpft haben, dass Frauen die gleichen Privilegien haben wie Männer, und für jene die es noch heute tun.

Ich bin eine Frau, denn ich habe eine Vagina. Aber solange das bedeutet, ich darf bestimmte Dinge nicht tun, nur weil sie nicht in das dazugehörige Rollenbild passen, bestehe ich darauf als Mensch wahrgenommen zu werden. (Edit: Die Betonung liegt dabei auf dem 'Ich', das bedeutet nicht, dass jede Frau eine Vagina haben muss)

1 Kommentar:

  1. Sehr sehr sehr guter Text. Also so richtig gut! Die neue Frisur steht dir ausgezeichnet - Kompliment! LG Uli

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