unbedeutendes Leben


Ich neige dazu aus absolut Allem eine große Sache zu machen. Es reicht nicht befreundet zu sein, es muss gleich Seelenverwandtschaft sein. Es reicht nicht verliebt zu sein, sondern am besten ist es sofort die ganz große Liebe. Es reicht nicht mit jemandem zusammen zu sein, sondern ich denke sofort übers heiraten nach.
So bin ich, Kleinigkeiten verändern mein gesamtes Weltbild.
Vor kurzem hat es geschneit, und gleichzeitig gewittert. Ein anderer häte gedacht 'wow, krass, cool' und ich ? Ich raste direkt aus. Weltverändernd. Lebensverändert. Dieses Wetterphänomen.
Das muss auf jeden Fall etwas für mich bedeuten, es muss ein Zeichen des Schicksals sein. Ich muss etwas daraus machen.
Ich will dass Dinge von Bedeutung sind, ich will nicht dass alles so dahinplätschert, ich brauche einen Sinn.
Große Gesten, naja oder vielmehr kleine Gesten aus denen ich riesige Ereignisse mache.
Ich fühle mich als Mensch so oft einfach unbedeutend, ganz einfach weil ich es bin. Einer unter 7Milliarden. Ein kleines lebendiges Wesen unter Trilliarden anderen. Da waren Millarden vor mir, und nach mir sind da genauso viele. Wer bin ich schon? Eigentlich unbedeutend, ein Nichts. Und selbst wenn Menschen jetzt sagen 'dann mach halt etwas großes, sodass man sich noch lange an dich erinnert'' - was soll das bringen? Die Menschheit gibt es seit ca. 2.7 Millionen Jahren. Kein Mensch wird je herausfinden ob Holger da nicht vielleicht damals festgestellt hat, dass die komischen grünen Beeren giftig sind, und damit eine ganz große Gruppe von Menschen vor dem Tod bewahrt hat. Vielleicht war er in seinem Leben ein großer Held, aber daran wird sich niemand erinnern. Und selbst wenn es in 2.7 Millionen Jahren die Erde noch geben sollte, und unsere Aufzeichnungen dann für die dort existierenden Lebewesen lesbar sind, selbst das hat keine Bedeutung. Denn wisst ihr wie lange es den Planeten schon gibt? .. Ihr wisst schon worauf ich hinaus will. Die gesamte Menschheit ist in Anbetracht der Evolution einfach komplett bedeutungslos. Was dann ein einzelnes Menschenleben bedeutet brauch ich vermutlich nicht erklären.
Und eben weil ich weiß, dass mein Leben für die Nachwelt, für die Zukunft einfach vollkommen unwichtig ist, fällt es mir so schwer mich an Regeln zu halten.
Von den fast 3 000 000 Jahren die es Menschen gibt, gehören mir mittlerweile 21. Und ich weiß nicht wie viele noch dazu kommen werden. Wenns wirklich gut läuft vielleicht noch 80.
Seht ihr was ich meine? 100 Lebensjahre - 3 000 000. In diese Zeitspanne passen 30 Tausend solcher Leben aneinander gereiht. Ich weiß das sind jetzt ganz schön viele Zahlen. Aber mein Leben im Vergleich zu der Existenz von Menschen auf der Erde beträgt ungefähr dem von  1 Minute zu 5 Jahren. Ich meine. Allein an einem Tag ist eine Minute schon unbedeutend, in einem Jahr quasi nichts, aber in 5 Jahren? Alter, allein wenn man sich vor Augen führt was in einer Minute passiert und was in FÜNF Jahren. 20 Minuten aufgewogen gegen 100 Lebensjahre. Ist das nicht Wahnsinn?
Ich meine, wenn ich in diesen 20 Minuten das Richtige mache, erinnere ich mich auch in 60 Jahren noch daran. Aber wenn ich tot bin? Falls ich Kinder hab, die erinnern sich vielleicht daran, dass ich von den 20 Minuten erzählt habe, aber schon eine Generation weiter wird es schwierig.
Die Zukunft ist ungewiss und unbedeutend, alles was in unserem Leben passiert stirbt mit uns, oder spätestens ein paar Jahre später.
Ich glaube der Wunsch nicht vergessen zu werden ist einer der dümmsten überhaupt. Und gerade weil das alles so unbedeutend ist, sehne ich mich nach etwas, das Sinn ergibt, das irgendwie sicher ist. Und deshalb mache ich aus kleinen Ereignissen riesig große Dinge, gebe ihnen einen riesigen Wert, mache sie bedeutend für mich.
Ich habe maximal 100 Lebensjahre, und mir kommt das mal unendlich viel vor, und mal lächerlich wenig. Und ich will diese Lebensjahre füllen. Nicht um Erinnerungen zu schaffen, oder unvergesslich zu sein, sondern für dieses Gefühl lebendig zu sein. Das ist es was für mich letztendlich zählt. Dass es FÜR MICH einen Sinn hat, eine Bedeutung.
Und da ist nunmal ein Regenbogen ne verdammt große Sache, oder ein Vollmond, auch wenn ich den in meinem Leben so soo oft sehe, in Anbetracht dessen wie oft ich ihn NICHT sehe ist das ein wahnsinnig seltenes und aufregendes Ereignis.
Genauso ist es bei Menschen. Jemand meinte mal zu mir, dadurch, dass es in meinem Leben so viele und auch ähnliche oder wechselnde Menschen gibt und gab, wären die einzelnen weniger Wert. Aber in Anbetracht von 7 Milliarden Menschen ist es ziemlich egal ob da 5 sind oder 50. Der Wert ändert sich kaum, vielleicht um ein paar Nachkommastellen. Und deshalb fülle ich mein Leben mit so vielen Menschen wie ich kann. Mit so vielen Ereignissen und Erlebnissen. Weil mein Leben damit für mich wertvoll wird. Weil jeder etwas mitbringt, weil ich neue und verschiedenste Aspekte vom gleichen Thema sehe, die sich vielleicht manchmal nur minimal unterscheiden. Und trotzdem ist jeder Mensch unendlich wertvoll. Egal wie viele andere es gibt.



1 Kommentar:

  1. Über die Entwicklung des Universums habe ich vor 2 Tagen auch was in meinem Vortrag erzählt. So ein Zufall ^^
    Diese extrem großen Zeitskalen sind so absolut faszinierend! Ich verstehe dich total. Mein größtes Ziel war es eine bedeutende Entdeckung zu machen um nicht in Vergessenheit zu geraten. Als ich dann feststellte, wie unbedeutend die kleine Zeitspanne der Erinnerung sein wird (den "ältesten" Menschen den ich kenne ist wohl ein Pharao von vor 5000 Jahren). Also werden sich Leute maximal so lange an mich erinnern, wenn ich was ganz ganz krasses mache. Das ist eine lächerliche Zeitspanne in astronomischen Zeitskalen. Wenn da was schnell geht, dauert es nur ein paar 100.000 Jahre xD
    Diese Feststellung war irgendwie zuerst kurz Schockierend, aber mittlerweile ist so befreiend. Ich kann mich einfach voll auf mich konzentrieren. Ich kann machen, was ich will, denn mit meinem Tod wird alles nichtig. Ich finde es auf eine seltsame Weise auch so beruhigend, dass die Menschheit vllt die Erde zerstören kann, aber da hört ihre Macht. Dem Sonnensystem kann sie nichts tun und über die Galaxie brauchen wir gar nicht erst reden. Das Universum zieht sein Ding durch und das finde ich schön :)

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