#fotoprojekt17 - Februar - nachts.


Februar - nachts.





Ich fühle mich nachts meist wohler als tagsüber. Alles wird so still. Man begegnet kaum einem Menschen, alles wirkt wie ausgestorben. Man hört den Wind in den Bäumen viel intensiver. Jedes noch so weit entfernte Auto hört man vorbeifahren. Nachts ist alles friedlich. Und gleichzeitig macht das mangelnde Licht aus jedem vorbei huschenden Schatten eine Gefahr. Jeder Baum wirkt in der Dunkelheit, als würde er seine toten, knochigen Finger nach einem ausstrecken. Aber Nacht bedeutet nicht nur Dunkelheit, sondern auch Lichter, hinter Fensterscheiben. Aneinandergereihte Leben. 



Nicht nur hinter Fensterscheiben ist Licht. Auch Straßenlaternen erhellen die Nacht. Wege auf denen tagsüber hunderte Menschen entlang eilen, sind nachts plötzlich leer und verlassen. Nur die Zigarettenstummel erinnern daran, dass hier tagsüber hunderte Schuhe auf dem Kiesweg knirschen.


Ich habe so unglaublich viele schöne und unvergessliche Erinnerungen an nächtliche Aktivitäten. Nachts gibt es keine Ablenkung, oder zumindest weniger. 

One.
Vor anderthalb Jahren bin ich häufig nachts allein spazieren gegangen. Ich lebte in einer großen Stadt, und man würde meinen, dort ist auch nachts viel los. Tatsächlich war das aber nicht der Fall. Ich erinnere mich sehr gut an eine ganz bestimmte Nacht. Es war Sommer und am Tag ziemlich heiß gewesen, weshalb ich in meiner Wohnung geblieben war. Kurz nach Mitternacht musste ich plötzlich raus. Während ich mit meinem Rucksack also durch die nächtliche Stadt wanderte begann es leicht zu Nieseln. Es war unglaublich schön. Die Warme Luft, und die kühlen Regentropfen. Der Moment hielt nicht lange an, aber ich genoss ihn dennoch sehr. Ich lief weiter. Und entdeckte an einem dieser Stromkästen ein Einhorn. Tagsüber war mir das nie aufgefallen. Ich lief weiter und hielt von diesem Moment an die Augen offen. Ich entdeckte noch mehr Kunst, die wohl mit diesem Einhorn zutun hatte. Ich musste am Tage schon öfter daran vorbei gelaufen sein, doch es war mir nie aufgefallen. Ich lief bis 4 Uhr morgens weiter. Irgendwann zog ich meine Schuhe aus, und spürte den noch immer warmen Asphalt unter meinen Fußsohlen. Auf dem Rückweg begegnete ich einer Gruppe junger Menschen. Ein Mädchen hatte, genau wie ich, ihre Schuhe in der Hand. Wir lächelten uns an, als würden wir ein Geheimnis teilen. Als ich Zuhause ankam, ging langsam die Sonne auf und ich legte mich schlafen.

Two.
Es muss ungefähr 19Uhr gewesen sein, als ich mich auf den Weg machte. Soweit ich mich erinnern kann, war es eine eher spontane Entscheidung. Ich schnappte mir die Kamera und begab mich auf den Weg in die Stadt. Eine andere als die, von der ich eben berichtet habe. Auf dem Weg begegnete mir keine Menschenseele. Ich war zu früh zu meiner Verabredung angekommen, und so fotografierte ich den leeren Parkplatz und ein paar Wege, bis mein Freund eintraf. Wir machten noch ein paar Fotos saßen in der Dunkelheit, redeten und entschieden uns dann noch einkaufen zu gehen. Kurz vor Ladenschluss. Wir kaufen Alkohol, nicht für mich, sondern für das Gefühl. In dieser Nacht fühlte ich mich wie einer dieser Teenager aus einem Film. Wir saßen auf der Brüstung einer Brücke mitten in der Stadt, mit einer Flasche Alkohol und Kippen. Ich hab mich unendlich lebendig gefühlt. Es passierte nichts aufregendes, niemand von uns sprang ins Wasser oder tat irgendwas weltbewegendes, aber wir waren da. Nur wir beide und die Nacht. Ohne Deadline oder Erwartungen. Und wir wussten, dass wir uns nach dieser Nacht wieder eine ganze Weile nicht sehen würden, aber in dem Moment war das irgendwie egal. Wie auch alles andere. Es zählte nur der Augenblick. Und ich werde diese Nacht wohl nie vergessen. 

Three.
Ich bin 18 Jahre alt. Und ich fühle mich wie 14. Ich fiebere dem Feierabend entgegen. 20 Uhr. Die Uhrzeiger bewegen sich quälend langsam, und als sie endlich in der erhofften Position stehen, bin ich noch nicht mal mit der Arbeit fertig. Ich beeile mich, aber ich darf auch nichts sagen. Mit 10 Minuten Verspätung verlasse ich fluchtartig das Gebäude und verschwinde so schnell ich kann im angrenzenden Park hinter den Büschen. Ich höre ein Pfeifen und kenne nun die Richtung. Wir pirschen durch die Nacht, immer auf der Hut nicht gesehen zu werden. Ich entspanne mich erst, als wir in der S-bahn sitzen und die ersten Paar Stationen hinter uns gebracht haben. ''Wohin fahren wir?'' frage ich, doch als Antwort bekomme ich nur ein Grinsen. ''okay''. Nach einer gefühlten Ewigkeit steht er auf. ''Wir müssen raus''. Ich folge ihm und befinde mich an einer Station durch die ich bisher nur durchgefahren bin. Wir verlassen das Gebäude und laufen über eine große Brücke. Er nimmt meine Hand und wir rennen über die vierspurige Straße hinüber und dort die Treppe hinunter. Nun sind wir im dunklen, direkt am Wasser. Auf der anderen Seite des Flusses ist ein Weihnachtsmarkt. Die Lichter spiegeln sich in den Wellen. Ich habe immer noch keine Ahnung wo wir hinwollen, aber ich frage auch nicht mehr nach. [....]






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