''Pray'' for Brain & Honesty



In Berlin sterben 9 Menschen und es gibt viele Verletzte. Hätte auch mich erwischen können, war erst vor weniger als 2 Wochen an exakt dem Ort des Geschehens. Hätte auch meine Mum erwischen können, die war dort noch ne Woche eher.
Ist es aber nicht. Es hat andere erwischt. Menschen die ich wahrscheinlich nicht kenne. Finde ich es traurig, dass Menschen gestorben sind? Ein bisschen. Kann mich ja in ihre Lage versetzen, und ist bestimmt nicht schön zu sehen dass man gleich tot sein könnte. Aber jetzt sind sie es, und spüren vermutlich nicht mehr viel davon. Trauriger ist es wahrscheinlich für die Angehörigen. Es ist scheiße einen Menschen zu verlieren den man liebt.

Ich gucke keinen TV mehr, und ich lese selten Zeitungen. Erfahren hab ich von den Geschehnissen in Berlin weil mein Dad es im Fernsehen mitbekommen hat und dann zu mir kam um mich in Kenntnis zu setzen. Dann habe ich den Fehler gemacht den TV doch mal wieder anzuschalten und jetzt bin ich angepisst.
>War es ein Unfall oder ein Terroranschlag? Man weiß es nicht, es ist unklar, und man sollte doch besser vorerst von einem Unfall sprechen um keine falschen Gerüchte in die Welt zu setzen.< Das sagt der Moderator sinngemäß bevor er zum ***-Terrorexperten schaltet. Echt jetzt?
Ja natürlich das ist als würde man sagen 'denk jetzt nicht an einen Elefanten im pinken Tú-tú. '
10 Minuten hab ich ausgehalten, dann musste ich mit einem angepissten Gesichtsausdruck das Gerät wieder ausschalten, nachdem von den Reaktionen in den sozialen Medien berichtet wurde.
''Pray for Berlin'' und ''Terror gegen die Demokratie'' wurde da eingeblendet. ''Je suis Berlin'' und ''Pray for Germany'' - ich meine im Ernst ??
Möglicherweise ist ein verwirrter Mensch mit seinem LKW von der Straße abgekommen und in einen Weihnachtsmarkt gerast. Das ist tragisch, klar. Möglicherweise war es auch Absicht. Auch tragisch. Aber warum ist das jetzt schon wieder so ein mega Drama?
''pray for xyz' - wenn das jemand schreibt der religiös ist, kann ich es ja noch irgendwie nachvollziehen, aber das posten SO VERDAMMT VIELE Menschen, die garantiert nicht alle gläubig sind, also was soll das?
Dieses ganze geheuchelte Mitgefühl mit Opfern und Angehörigen ist doch Bullshit. Nicht Mitgefühl an sich, ich meine hallo? Ich heule, wenn ich sehe dass Tiere geschlachtet werden. Ich bin in der Lage mitzufühlen. Aber in den sozialen Medien habe ich nicht das Gefühl derartige Postings entstehen aus tatsächlichem mitGEFÜHL. Es scheint mehr so ein 'oh, das ist ja scheiße - gleich mal was posten' zu sein.
Täglich sterben SO SO SO Viele Menschen. An Krankheiten, durch Unfälle, oder eben durch die Hand eines Menschen. Aber solange das nicht vor der eigenen Haustür ist? mh neee, gehört halt dazu. Und selbst wenn es vor der eigenen Haustür passiert ist oft nicht mehr drin, als ein post auf Twitter und ein Filter über dem Facebookprofilbild. Was soll das bringen? Es soll ein Zeichen sein, dass niemand allein ist, dass Menschen sich füreinander interessieren und eine Gemeinschaft bilden?
Ja sicher. Wie glaubhaft.
Es berührt Menschen doch nicht wirklich wenn jemand stirbt. '' 2 Tote auf der Autobahn, nach Verkehrsunfall''  - was sind die Reaktionen? Ein kurzer Gedanke ob da gerade jemand gewesen sein könnte, den man kennt, und dann ist es aber auch schon wieder vergessen. So ein großes Ereignis, das tage- oder gar wochenlang in den Medien breitgetrampelt wird wie ein Anschlag in Paris bleibt vielleicht noch ein paar Tage länger im Gedächtnis. Aber nach ner Weile ist das Facebookprofilbild auch wieder normal. Denn letztendlich hat es einen doch gar nicht berührt oder getroffen. Ich schätze bei Angehörigen sieht das anders aus.
Ich frage mich immer, merken die Menschen nicht wie verdammt heuchlerisch ihr Verhalten ist?
Denken sie überhaupt darüber nach, oder läuft da eher so ein '' das ist wohl in dieser Situation angebracht um zu verdeutlichen, was für ein großherziger und mitfühlender Mensch ich bin'' im Hinterkopf ab?
Was glauben diese Menschen denn, wie es einem Vater 6 Wochen nach dem Verlust eines Kindes geht? Ja scheiß drauf, sind jetzt auch schon wieder 6 Wochen, läuft. Sollte mal ne Party schmeißen und mein Profilbild aktualisieren.???  Wohl kaum. Wie kann man behaupten man hätte Mitgefühl mit anderen, wenn man es nach wenigen Tagen oder Wochen längst wieder vergessen hat?
''Lieber ein paar Tage als es komplett zu ignorieren'' - wirklich? Hilft das denn irgendjemandem?
Ändert es irgendetwas, wenn eine gesichtslose, graue Masse irgendwelche Posts in den Sozialen Netzwerken teilt?  Oder wenn es sogar einen coolen neuen Hashtag extra dafür gibt?
Kann ich mir nicht vorstellen.
Wieso können wir Menschen nicht einfach ehrlich sein?
Ich glaube geheucheltes Mitgefühl ist noch schlimmer als überhaupt keins.
Und wieso bekommt ein ''Vielleicht-Terroranschlag'' so viel mehr Aufmerksamkeit als ein ''Definitiv-Unfall''? Weil es schlimmer ist, wenn ein Mensch beschließt, dass andere Leben enden sollen, als wenn es einfach so passiert? Letztendlich ist tot doch tot. Und in jeder Situation gilt ''das hätte doch nicht passieren müssen, wenn.....'' Außer bei Krankheit. Aber da interessiert der Tod ja eigentlich eh niemanden mehr so wirklich.
''Mann erschießt Frau und Kind, und begeht anschließend Suizid'' - is ja scheiße
''Mann rast mit LKW in Menschenmenge'' - OMG TERROR TOD VERDERBEN hashtagxyz
Ich liebe die heutige Zeit, Gesellschaft und Medienlandschaft. Wer braucht schon Aufrichtigkeit. Hauptsache viele Klicks, Aufmerksamkeit, Geld und man ist ein 'guter Mensch'.Das ist ganz wichtig.

EDIT: Und selbstverständlich ist es auch viel wichtiger zu klären ob es nun ein Terroranschlag war oder nicht, als zu fragen wie es den Opfern der Geschehnisse geht. Wen interessiert auch schon wie es den Verletzten geht... viel spannender ist doch: war der Täter Ausländer? Und war es ein geplanter Anschlag? (Hoffentlich.. sonst haben die Medien sich ja umsonst so ins Zeug gelegt... )

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