Einwegmenschen



Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, das ist uns zu jedem Zeitpunkt bewusst. Papiertaschentücher, Plastikverpackungen, Einwegrasierer, Einwegmenschen. Die Zeiten in denen wir kaputte Dinge repariert haben sind lange vorbei. Es ist ganz einfach nicht mehr nötig und der Aufwand ist auch viel zu groß. Der Toaster ist kaputt, wir werfen ihn weg und kaufen einen neuen. Die Reparatur wäre heute teurer als das Ersetzen des alten Geräts. Und so handhaben wir es in allen Bereichen. Die Freundschaft geht in die Brüche, wir suchen neue Freunde, die Beziehung läuft nicht perfekt, wir tauschen sie ein gegen die nächste. Und ich kann mir vorstellen, dass viele Menschen das kritisieren. Aber warum eigentlich? Wir haben uns damit abgefunden, dass das Leben voller Veränderung steckt. Wir sind froh darüber unsere Socken nicht mehr stopfen zu müssen, sondern einfach ein paar neue kaufen zu können. Wieso sollten wir uns darüber beschweren, dass es bei zwischenmenschlichen Beziehungen anders läuft? Wir machen es uns leicht. Das tun wir immer. Wir freuen uns über neue Erfindungen, die den Alltag leichter machen, und würden uns nie darüber beschweren.
Im Berufsleben scheint das noch zu funktionieren: sobald jemand nicht mehr in der Lage ist 100% zu leisten wird er gegen einen jungen, frischen, motivierten Arbeiter ausgetauscht. Soweit okay, die Qualifikationen sind ähnlich, vielleicht ist der Nachfolger sogar ein bisschen moderner.  Aber bei Beziehungen ist es nicht so leicht. Der Denkfehler liegt wohl darin, davon auszugehen, dass wie bei den Elektrogeräten der Tausch vom alten zu einem neuen, besseren Modell , auch die nächste Beziehung besser wäre als die vorherige. Aber der Unterschied zwischen Mensch und Maschine ist folgender: in den heutigen Geräten werden Mechanismen verwendet, welche die Technik zwar leistungsfähiger und fortschrittlicher machen, jedoch wird auch ein Mechanismus integriert, der das Gerät nach einer bestimmten Zeit (meist etwas nach dem Ablauf der Garantie)kaputt gehen lässt. Beim Mensch ist das anders. Es gibt keinen Mechanismus, und der nächste Mensch den man kennenlernt ist nicht besser als der Vorgänger. Es ist nicht selbstverständlich, dass man das neue Modell findet. Nein, vielmehr besteht beim Menschen die Chance, dass man beim ersten Mal den Supermultifunktionstoaster mit Fonduefunktion und integriertem Schokobrunnen, inklusive 80Jahre Lebensdauer bekommt, und ihn dann wegwirft, weil man vergessen hat den Stecker in die Stromquelle zu stecken. Als nächstes bekommt man dann den einfachen Toaster, der nicht einmal das Toast richtig braun brutzelt. Aber das ignorieren wir so gut es geht. Wir sind es aus unserem täglichen Leben so gewöhnt, einfach alles ersetzen zu können, dass wir vergessen, dass die Menschen und dazugehörige Gefühle, Gedanken und Erfahrungen einzigartig sind. Der Mensch ist kein Toaster, sondern ein Mensch. Ein Lebewesen, das es nur ein einiges Mal gibt. Und unsere Beziehung zu diesem einen Menschen ist eine limitierte Sonderauflage mit der Stückzahl: 1. Ist dieses Unikat einfach weg, bekommen wir es nie zurück. Und genau deshalb sollten wir genau darüber nachdenken, ob es nicht vielleicht doch an der Zeit ist auch mal zu kämpfen, statt einfach wegzuwerfen und neuzukaufen.

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