von grauen Haaren und wunderschönen Falten



Das Leben ist Veränderung, und wir sind das Leben. Die Veränderung ist unumgänglich. Wir wachsen, innerlich und äußerlich, wir erleben schöne und schreckliche Dinge,  gewinnen und verlieren. Manchmal auch uns selbst. Wir stumpfen ab mit der Zeit, werden gelangweilt, sehen wir doch längst nichts überraschendes mehr. Wir haben alles gesehen, alles erlebt, und das was wir nicht kennen hat keine Bedeutung. Wie soll es auch, wir sind doch dabei gewesen, haben es genau mitbekommen was passiert ist. Wir wüssten es, wenn es wichtig wäre.
Als wir unser erstes graues Haar entdecken rennen wir in die Drogerie, und kaufen Haarfarbe, spätestens jetzt, eigentlich färben wir sie schon immer. An unsere Naturhaarfarbe erinnern wir uns gar nicht mehr, das ist schon so lange her. Warum wir sie färben wissen wir eigentlich auch nicht mehr genau, wir haben irgendwann angefangen und es wurde zum Alltag.  Es gehört einfach dazu, wie Zähne putzen. Und jetzt haben wir ja einen Grund. Wir schauen uns auch nicht mehr im Spiegel an, jedenfalls nicht mehr richtig. Wir wissen was wir darin sehen. Wir kennen jede Falte, jeden Zentimeter unseres Körpers, naja, zumindest denken wir das, nachgeschaut haben wir schon lang nicht mehr. Wozu auch. Wir wissen welchen Schnitt wir bei Hosen brauchen, damit die richtigen Stellen kaschiert werden. Die engen Kleider haben wir irgendwo hinten im Schrank vergraben, wir sind jetzt schließlich erwachsen. Das denken wir nicht, wir denken eigentlich eher dass wir einfach zu alt sind für so etwas. Manchmal blättern wir aus Melancholie durch ein paar alte Fotos, damals mit Hosenanzug und Dauerwelle sahen wir zwar jung aber bescheuert aus. Was haben wir uns nur dabei gedacht. Die Fotos von heut werden wir uns nicht mehr anschauen. Sie gehen unter zwischen den 758913 Urlaubs- und Gartenfotos . Und wer will uns denn auch schon sehen. Wir finden uns nicht mehr schön, wir denken gar nicht darüber nach. Nur alt aussehen, das wollen wir nicht und so geben wir Geld aus für AntiFaltenCremes und Haarfarben, moderne Kleidung und unbequeme Schuhe. Wir sind in einem Alter angekommen, in dem man sich nicht mehr von anderen abhebt. Wir tragen das, was alle anderen tragen, wir machen uns Gedanken darüber ob das rote Shirt vom letzten Jahr noch unserem Alter entspricht, oder ob wir uns damit lächerlich machen. Über das Makeup & die Haarfarbe machen wir uns hingegen keine Gedanken. Gegen die Falten können wir nichts unternehmen, außer wir haben viel Geld. Und das ärgert uns. Manchmal stehen wir dann doch vorm Spiegel und ziehen unsere Haut Richtung Haaransatz. Die Hängebäckchen stören uns gewaltig, und mittlerweile mögen wir auch kaum eines der Bilder die man von uns macht. Man sieht die Falten egal wie wir den Kopf drehen. Geburtstage feiern wir auch immer weniger gern. Wir werden alt, und diese Erkenntnis fühlt sich nicht gut an.

Doch das ist Blödsinn. Viel zu wenige Frauen tragen ihre Falten und Narben, und Fettpölsterchen mit stolz. Aber das sollten wir. JA! Alt werden bedeutet, viel erlebt zu haben. Falten kommen vom Lachen und auch von den schweren Zeiten die wir durchgestanden haben, und Ja, wir bekommen graue Haare, aber wieso soll das was schlechtes sein?
Es kotzt mich an, dass Alter ein Makel ist. Der Mensch wird nun einmal älter. Und das ist gut so. Wieso sollen wir uns dafür schämen? Ich weiß, im TV sieht man kaum alte Menschen, ab einem bestimmten Punkt altern Prominente nicht mehr. Sie verwenden viel Geld darauf jung und frisch zu wirken, doch das ist ihr Job. Das als Beispiel zu nehmen ist Schwachsinn. Wir müssen nicht ewig jung sein. Und es wird Zeit, dass die Menschen realisieren, dass graue Haare und Falten nicht weniger attraktiv machen. Es ist eine Frage der Einstellung, wie bei allem im Leben.

Das Leben ist Veränderung, und wir sind das Leben.
hören wir auf gegen die Veränderung zu kämpfen.
Wir ersparen uns viel unnötigen Stress.


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