Karma, Schicksal und der Glaube an Gott

Seit ich hier in meiner neuen Heimat bin, glaube ich an das Schicksal, wie bereits erwähnt. Heute ist mir bewusst geworden, was das bedeutet. Alles was geschieht, passiert aus einem bestimmten Grund. Mal soll es mir vielleicht zeigen, was ich brauche, was mich glücklich macht, manchmal mir meine Fehler aufzeigen. Bedeutet das, wenn ich an das Schicksal glaube, muss ich auch so Sachen wie Karma als eine Möglichkeit in Betracht ziehen, die Einfluss auf mein Leben nimmt. Wenn das Schicksal existiert, also etwas vorher bestimmt ist, was man nicht großartig umgehen kann, wer sagt dann, dass es nicht auch Karma gibt? Angenommen, ich ziehe in Betracht, das wäre wahr, bedeutet das, alles negative was mir je widerfahren ist resultierte aus Schlechtem, das ich getan habe? Ich habe mich nie intensiv damit befasst, aber das ist es was ich mir unter diesem Begriff vorstelle: wer schlechtes tut, dem widerfährt auch schlechtes, quasi als Rache, damit Gerechtigkeit herrscht. Soweit keine schlechte Vorstellung. Aber wenn es Karma wirklich gibt, warum gibt es dann Gerichte, und Verurteilungen, Gefängnisse und so weiter? Wieso verlassen wir uns dann nicht darauf, dass jedem das geschieht was er verdient ?
Jeder Vergewaltiger stirbt an Hoden- bzw Gebärmutterhalskrebs, jedem Entführer wird ein Kind geraubt, was auch immer. Warum das nicht funktioniert? Weil Karma nichts ist, was wir nachweisen könnten. Weil wir nicht wissen was in der Zukunft passiert, und wir uns nicht drauf verlassen wollen, dass jemanden  20 oder 30 Jahre später vielleicht die gerechte Strafe ereilt. Wir tun uns schwer damit, an etwas zu glauben, was wir nicht beweisen können. Naja, außer die Menschen, die an einen Gott glauben, denn der wurde auch noch nicht bewiesen. Fragt sich, wieso wehren sich diese Menschen, welche gläubig sind nicht gegen Gerichte und Strafverfolgung, warum ist die Kirche nicht gegen die Polizei? Der 'Herr' wird doch gerecht Strafen. Und wer jetzt kommt mit 'der Gott kann nicht über alle Menschen wachen, er bestimmt Menschen auf Erden, die seine Arbeit übernehmen' nunja, denen sage ich: Leute das ist die gleiche Erklärung die wir benutzen um unseren Kindern den Weihnachtsmann zu erklären, wir sagen er hat Helfer, weil er das nicht allein schafft. Aber ich schweife ab.
Ich kenne Menschen, die ihr ganzes Leben gutes getan haben, und die niemandem je etwas böses wollten, die dann jedoch an Unheilbaren Krankheiten sterben, oder qualvoll nach einem Unfall ums Leben kommen. Ist das Fair? Ist das Karma? Nein, das kann und will ich nicht glauben. Es macht keinen Sinn. Warum sterben kleine Kinder? Die haben niemandem etwas getan, das kann nicht sein. Und so kann es auch nicht sein, dass es Karma gibt. Zumindest kann ich es nicht erklären. Die Frage ist natülich jetzt auch, ob es Schicksal dann überhaupt gibt. Gibt es irgendeine Art der Vorherbestimmung? Und wenn ja, können wir dann nicht auch davon ausgehen, dass eine Straftat die wir zB begehen ja so vorbestimmt war, und wir somit keine Schuld tragen? Das waren ja nicht wir, das war das Schicksal. Ich denke, der Glaube an Schicksal ist genau wie der Glaube an einen Gott: Menschen wollen GLAUBEN, um dem Leben einen Sinn zu geben. Um sagen zu können ' das Schicksal wird mir irgendwann schon etwas gutes schenken' und um uns schlimme Dinge schön zu reden. Wenn jemand bei einem Unfall getötet wird ist es leichter zu sagen ' Das war eben sein Schicksal' oder 'Gott wird sich schon was dabei gedacht haben' als sich einzugestehen, dass es einfach Zufall war. Jemand war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Mehr nicht, wir können niemandem die Verantwortung zuschieben, erst Recht keiner höheren Macht. Und unser Leben? Es ist sinnlos. Wir haben keine Bestimmung, wir sind nicht da um irgendwas zu schaffen. Wir sind einfach da. Das einzige Sinn des Lebens ist leben. Sicher, einige von uns werden irgendwas großes schaffen, eine Nation repräsentieren, eine großartige Erfindung machen, und von diesen Menschen wird man noch in hundert Jahren sprechen, vielleicht auch in 300, oder 400, aber dann werden auch diese eine verblasste Erinnerung an früher, bis sie schließlich vergessen werden. Nichts ist für die Ewigkeit, und so wie wir gerade handeln gibt es in 300 Jahren niemanden mehr der sich erinnern könnte. Und selbst diese 'großen Persönlichkeiten' sind nicht so groß geworden, weil das irgendeine schicksalhafte Macht vorherbestimmt hat, sondern einfach weil ein paar ihrer Neuronen im Hirn sich anders verbunden haben als bei anderen. Biologie. Nicht mehr, nicht weniger. Ales was wir tun, resultiert aus unseren eigenen Entscheidungen. WIR entscheiden, was passiert. Wenn wir uns in der Schule anstrengen, bekommen wir gute Noten. Es ist unsere Wahl zu lernen. Wenn wir gute Noten bekommen können wir beispielsweise studieren. Und daraus resultierend einen gut bezahlten Job bekommen. Oder eben nicht. Dann kommt dazu dass wir krank werden könnten. Nicht etwa, weil das Schicksal das so vorherbestimmt hat, sondern weil wir ungesund gelebt haben, oder unser Körper einfach Schwachstellen hat. Auch wieder Biologie. Das was wir als Schicksal bezeichnen sind die Folgen unserer eigenen Entscheidungen, im Zusammenspiel mit Zufällen. Denn dass die passieren ist nicht zu leugnen. Wir ENTSCHEIDEN umzuziehen, und treffen in dieser neuen Stadt einen Menschen der ZUFÄLLIG Merkmale trägt die wir toll finden. Und es mag uns manchmal vorkommen wie Schicksal, weil auf einmal sehr viele negative oder sehr viele positive Dinge zusammen treffen. Im Endeffekt ist das aber nicht vorherbestimmt, sondern einfach Zufall. Und mal ehrlich, warum sollten wir uns selbst etwas vormachen? Es mag ja manchmal ganz schön zu sein sich einzureden, dass etwas nach einem uns unbekannten Plan läuft, aber in Wahrheit sind das nur Versuche die Verantwortung abzugeben. Wir wollen glauben über manche Dinge hätte eine höhere Macht Kontrolle. Realistisch betrachtet gibt es weder einen Gott, noch Schicksal oder Karma. Manche Dinge passieren einfach. Und wenn sie sich unserer Kontrolle entziehen, wäre es beruhigender zu wissen, dass es einen tieferen Sinn gäbe.  Schön, dass einige Menschen das können, ich kann es aber nicht.

1 Kommentar:

  1. Ach ja, genau mit diesen Gedanken habe ich mich auch befasst. so wie du bin ich zu dem Schluss gekommen, dass jeder für sich selbst entscheiden muss. Bis ich gelernt habe, dass unser Gehirn Entscheidungen trifft, bevor sie unser Bewusstsein erreichen. Wir glauben nur, wie entscheiden uns selbst, dabei wird alles von unserem Unterbewusstsein bestimmt und das wird nur durch unsere vergangenen Erfahrungen geformt. Sind wir also nur ein Resultat unseres Umfeldes? Es ist gruselig, wenn sich mal klar macht, was das heißen könnte. Und wenn man jetzt mit dem Gegenargument kommt, es gibt Ausnahmen, die nicht werden, wie ihr Umfeld es erwarten lässt, dann gibt es dafür sicherlich auch einen Grund. Vielleicht haben sie als Kind einfach nur mal eine Geschichte, ein Märchen, gehört, dass ihnen, ihrem Unterbewusstsein. "Hoffnung" gibt, an dem sie sich so stark orientieren, dass sie aus den Grenzen herauskommen. Jeder wird denken, dass es seine eigene Entscheidung war, aber eigentlich war es nur ein günstiger Zufall.
    Wenn ich mir das so überlege, ist dann alles was ich mache nicht mein Wille? Es wäre niederschmetternd, wenn es so ist, aber dann können wir das nicht ändern. Ich lerne gerade, das zu akzeptieren und mein Leben, so wie es ist zu genießen ohne dabei meine Träume, die wohl durch mein Unterbewusstsein kreiert wurden, zu verlieren :)

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