Generation Tumblr



Ein Kind braucht die Bestätigung der Eltern. Für fast jedes Kind sind die größten Worte die es sich vorstellen kann ' ich bin so stolz auf dich' von einem Elternteil. Und jeder gibt alles um das zu erreichen. Es fängt schon im Kindergarten an, mit Zeichnungen für die Eltern, die mitgebracht werden in der Hoffnung einen Funken stolz in den Augen der 'Großen' zu sehen. Weiter geht es in der Schule, der Versuch um jeden Preis gute Noten zu bekommen. Und bei jeder Verbesserung, bei jeder guten Arbeit denkt man ' das muss ich sofort  meinen Eltern zeigen'. Und die Hoffnung ist jedesmal enorm. Dann hat man irgendwann  mit größter Anstrengung, den Schulabschluss, und vielleicht einen Ausbildungs- oder Studienplatz. Doch das 'Wir sind stolz auf dich' - das geht unter. Bei einer 2+ für die man gekämpft hat, einem 'bestanden' in einem Fach in dem man fast durchgefallen wäre, einem Abitur, als erste in der Familie, oder einem Studienplatz, um den man so gebangt hat, kommt von den Eltern ein 'das hast du toll gemacht, aber das geht noch besser'. Natürlich, unsere Eltern wollen uns fordern, wollen das Allerbeste aus uns herausholen, aber die Bestätigung bleibt aus. Wir geben doch schon alles, was wir können, und trotzdem bekommen wir die Worte, um die wir doch so kämpfen nicht zu hören. Und wir fühlen uns als Versager. das ' nicht-gut genug sein', das 'ich bin so ein Loser Gefühl' - das alles schreiben wir, die heutige Generation in unsere privaten Blogs, oder rebloggen es auf Tumblr. Wir kämpfen, so sehr wir auch können, und haben dennoch immer das Gefühl als Verlierer aus dem Kampf hervor zu gehen, egal was wir auch erreichen. Wir schneiden uns, um uns zu spüren, in all dem Stress und Druck, oder weil wir wissen, dass dies etwas ist, was wir können. Und wir enttäuschen ja sowieso alle, sind ja eh nie genug, wie sollte es da auf so etwas ankommen. Wir geben uns auf, und wollen nicht mehr leben...
 Und dann brechen wir aus, wollen aufhören immer eine Enttäuschung zu sein, fassen Mut und wir schmeißen unsere Klingen in den Müll und gehen raus. Wir hören auf unsere Narben zu verstecken und sagen 'hey, schaut mich an, ich habe aufgehört, habe die Sucht bekämpft', doch wir ernten nur mitleidige Blicke. (guck, noch so ein armes Ding, das zu schwach war) Niemand ist stolz auf uns, niemand ist glücklich dass wir überlebt haben. Warum auch? Nur weil wir aufgehört haben so etwas unnormales zu tun? Wir sind immer noch eine Enttäuschung. Und wir fragen uns ob wir es je schaffen können. Unsere Eltern sind gestresst, haben zu viel Arbeit, zu wenig Geld. Und auch auf sie war nie jemand stolz. Sie haben keine Zeit für sich selbst, leben im Trott und haben längst aufgehört um Bestätigung zu kämpfen. Wohin wir auch sehen, nur Enttäuschungen. Nur nicht in der Promi-Welt. Teure Kleider, Auszeichnungen und Preise. Ein strahlendes Lächeln auf den Lippen. Und wir wollen auch so sein, wollen auch makellose Haut und den perfekten Körper. Doch wenn wir vor dem Spiegel stehen trifft uns immer die gleiche Tatsache: wir sind nicht perfekt. Nicht mal nah dran, eher noch um längen davon entfernt. Wir sind zu dick, zu unsportlich, zu durchschnittlich. Und wir greifen wieder zur Klinge und wir hören auf zu essen, wollen endlich jemanden stolz machen. Und jedes Gramm das auf der Waage verschwindet lässt uns hoffen. Und aus den 70kg bei einer Körpergröße von 1,65, werden 68, 62, 50, ,...und wir denken wir sind bald am Ziel. Doch dann sehen wir die Bilder und sind immer noch so weit davon entfernt, unsere Oberschenkel berühren sich noch immer. Für jedes Gramm das wir zunehmen schneiden wir uns.  49,47,..45.. tigh gap, bikinibridge, schlüsselbeine... wir sind immer noch nicht am Ziel, doch schon nah dran. Doch die bewundernden Blicke bleiben aus. Wieder nicht gut genug, man sagt uns wir hätten eine Essstörung und wir sind stolz darauf, denn wir haben es geschafft, wir sind so wie die Mädchen auf den Thinspo-bildern. Unter unsere Bilder schreiben wir #proAna und mittlerweile sind wir selbst die 'Thinspiration' für andere. Im Internet finden wir die Bestätigung, wir haben Menschen die uns ermutigen und antreiben.
Bis wir mit 15 auf der Intensivstation sterben, weil wir nicht aufgepasst haben. Weil wir zu tief geschnitten haben, oder den Sport nicht mehr ausgehalten. Und selbst unser Tod ist eine Enttäuschung, denn er zeugt von unserem Versagen.
Unsere Follower erfahren jedoch nicht davon, und so schreiben sie auch weiterhin unter unsere Bilder 'ich wünschte ich wäre so dünn wie du', während unsere Eltern auf dem Friedhof stehen und sich fragen wie es so weit kommen konnte. Und bei der Grabrede weinen alle als die Mutter sagt ' Wir waren doch immer so stolz auf sie, auf unsere kleine, wunderschöne, perfekte Tochter. '
Für uns kommt diese Erkenntnis zu spät.




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