Blumen schlafen nie. [Teil 5]

Vorsichtig rappelte Lilly sich auf. Bei dem Versuch ihren Fuß zu bewegen hielt sie die Luft an und unterdrückte ein Wimmern. Der Knöchel pochte und bei jeder minimalen Bewegung schoss der Schmerz ihr Bein hinauf. Sie musste spucken, weil sich immer mehr von der warmen roten Flüssigkeit in ihrem Mund ansammelte. Bei der Vorstellung sich selbst so zu sehen stöhnte sie. Ganz klasse. Langsam realisierte sie auch, dass sie bis zu den Oberschenkeln im Wasser hing. Sie zog sich nach oben und drehte sich unter Schmerzen um, sodass sie sitzen konnte. Mit der linken Hand wischte sie sich Erde und Blut aus dem Gesicht. Sie musste aussehen wie ein Zombie. Nun schaute sie auf die weit entfernte Reihe von Häusern und versuchte auszumachen, welches davon ihres war. Ein unmögliches Unterfangen, da die Nacht sie zu einer dunklen Wand verschmelzen lies. Sie riss sich zusammen, denn herumsitzen würde sie ihrem Ziel nicht näher bringen. Sie beglückwünschte sich dazu das kleine ‘ERSTE HILFE SET’ nie aus Matt’s Rucksack entfernt hatte. Sie entschied, dass sie weit genug entfernt von den Häusern sei, um ihre Taschenlampe zu verwenden. Sie suchte einen Verband heraus und legte ihn neben sich. Das war leicht, die Schwierigkeit war es ihren Fuß aus den Turnschuhen zu befreien. Zumal sie nicht die Taschenlampe halten und mit einem Arm den Schuh ausziehen konnte. Sie Entschied die Taschenlampe erstmal neben sich zu legen. Um Batterien zu sparen schaltete sie sie aus. Nun tastete sie sich in ihrem Schuh entlang um zunächst den Schlüssel zu suchen und packte diesen schließlich in eine der kleinen Taschen in ihrem Rucksack.Dann bewegte sie den Schuh vorsichtig hin und her um ihren stark geschwollenen Fuß herausziehen zu können.
Sie zwang sich die Zähne zusammenzubeißen, und entfernte den Turnschuh mit einem letzten schwungvollen Ruck, der ihr erneut die Tränen in die Augen trieb.
Kurz dachte sie darüber nach die Socke anzulassen, doch weil sie nach kurzer Betrachtung realisierte, dass auch sie völlig durchweicht war, entschied sie kurzerhand auf diese Unterlage zu verzichten. Vorsichtig löste sie den Verband aus der Plastikhülle, und legte ihn auf den Fuß. In gleichmäßigen Zügen wickelte sie den Mull um ihren Fußknöchel. Sie spürte, dass der Verband genau die Richtige Spannung hatte. Sie stopfte das Ende unter den Verband und suchte nach einer Plastiktüte in Matt's Rucksack.   Diese Tüte ersetzte Schuh und Socke, weil sie vermeiden wollte dass der Verband nass wurde. Sorgfältig verstaute sie Socke, Schuh, Und die Verbandsverpackung in einer der Taschen, griff nach der Taschenlampe und stemmte sich auf die Füße. Sie packte den Beutel, ihren Rucksack und die Lampe und probierte vorsichtig einen ersten Schritt. Beim Auftreten fuhr der Schmerz blitzartig durch ihr Bein und sie musste sich konzentrieren nicht wieder hinzufallen. So würde sie unmöglich vorwärts kommen. Sie leuchtete mit der Lampe einmal ringsherum um zu schauen wo sie sich möglicherweise ausruhen könnte. Dabei entdeckte sie einen nicht weit entfernten Busch, dessen Zweige sehr stabil wirkten. Kurzerhand entschied sie sich aus einem der Zweige eine Art Krücke zu bauen, um ihren Weg zu vereinfachen. Als wäre der Busch extra dafür gemacht fand sie einen Ast der genau die richtige Form hatte. Er besaß eine Gabelung und am Stiel einen Querast den sie abbrach wodurch eine Art griff entstand. Zufrieden mit ihrem Werk wagte sie einen erneuten Versuch und kam nun zwar etwas langsamer, jedoch wieder relativ schmerzfrei vorwärts. In Anbetracht dieses Erfolgs, konnte sie den pochenden Schmerz in ihrem Knöchel auch mal für eine gewisse Zeit ignorieren. Der Waldrand war nicht mehr so weit entfernt und sie erreichte ihn ohne erneute Zwischenfälle.

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