Blumen schlafen nie. [Teil 3]


Da viele der Schlafzimmerfenster in ihrer Wohnsiedlung dem Feld zugewandt waren, konnte sie es sich nicht erlauben ihre Taschenlampe zu benutzen, außerdem war sie sehr bedacht darauf leise zu sein. Jedoch war das Feld von Gräben durchzogen, und sie wollte auf keinen Fall ihre Sachen schmutzig machen, denn es war unsicher wann sie sie das nächste Mal würde waschen können. Sie hatte in den letzten Tagen oft das Feld betrachtet, versucht sich einen Weg darüber einzuprägen, doch nun im Schein des Mondes sah alles ganz anders aus. Überall waren Büsche und Bäume die gespenstische Schatten warfen. Die Gräben waren kaum auszumachen zwischen dem hohen Gras. Sie schloss für einen Moment die Augen und rief sich das Bild vor Augen. Ihr würde nichts anderes übrig bleiben als sich auf ihr Gedächtnis zu verlassen, wenn sie nicht riskieren wollte Hunde auf den Leib gehetzt zu bekommen. Sie bewegte sich leise und gebeugt über die Fläche. Neben dem rascheln ihrer Beine im Gras und dem rauschen des Wind hörte sie vereinzeltes Bellen der Hunde in der Nachbarschaft. Sie schreckte jedes Mal zusammen, und ärgerte sich so ängstlich zu sein. Sie kam gut voran und als sie bereits den größten Teil der Strecke hinter sich gelassen hatte, traf sie auf einen der Gräben. Von ihrem Fenster hatte dieser weitaus schmaler ausgesehen, doch durch den Regen in den letzten Wochen, hatte er sich wohl ausgedehnt. Unschlüssig stand sie davor und überlegte ob es sinnvoller wäre eine schmalere Stelle zu suchen, oder ob sie dadurch nur wertvolle Zeit verlieren würde.. Schließlich fasste sie sich ein Herz und warf zunächst ihren Beutel, und schließlich ihren Rucksack auf die andere Seite. Dann holte sie Anlauf und sprang… Sie verfehlte das andere Ufer nur um wenige Millimeter. Sie spürte den Sand unter ihrem Fuß weggleiten und landete mit dem Gesicht auf der Kante der Uferböschung, ihr Fuß war so ungünstig weggerutscht, dass er an einem halb eingegrabenen Stein umknickte und der Schmerz sie den Atem anhalten lies. Durch den Aufprall biss sie sich so stark auf die Zunge, dass sie zumindest nicht schreien konnte. Glückwunsch. Der Geschmack von Kupfer mischte sich mit dem von Erde und augenblicklich schossen ihr die Tränen in die Augen. Nicht nur wegen des Schmerzes sondern auch wegen der Erinnerungen die der Geschmack mit sich brachte.

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