Blumen schlafen nie. [Teil 2]

Im nächtlichen Garten stolperte sie ein paar Mal über herumliegende Gegenstände:
Eine Gartenschaufel, ein Spielzeugauto von Tommy, einer dieser peinlichen Gartenzwerge, den ihre Grandma ihrem Dad letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hatte. Weihnachten....

Schon als sie nach Hause kam, wurde sie von einer Welle des Glücks überschwemmt. Bereits von weitem hatte sie die vielen Lichter gesehen, in den Fenstern, an den Büschen im Vorgarten, und auch die Häuser der Nachbarn waren hell erleuchtet. Es war einige Zeit her dass sie das letzte Mal Zuhause gewesen war. Sie spürte schon die besinnliche Stimmung die sie erwarten würde, wenn sie das Haus betrat. Sie blieb einen Augenblick am Zaun stehen, Sicht-geschützt durch die Tanne, welche neben dem Tor stand. Wie lange war es jetzt her? 5 Monate. Eine lange Zeit, und noch immer konnte sie nicht verstehen wie es soweit kommen konnte. Aber es war wirklich viel passiert, und sie konnte niemandem die Schuld geben, außer sich selbst. Sie war gespannt wie ihre Familie reagieren würde, wenn sie den Schlüssel in der Tür hörten. Würden sie erstaunt sein? ängstlich? vielleicht sogar wütend? All das lies sie zögern. Plötzlich traf sie ein Schneeball seitlich am Hals. Sie schrie vor Schreck auf, und auf der anderen Seite des Gartens hörte sie ein ebenso erschrockenes 'Tschuldigung'. Ein paar Sekunden später stand sie Tommy gegenüber. Es war so herrlich zu beobachten wie die Unsicherheit und der Schreck innerhalb von Sekunden in Überraschung und erneut einige Sekunden später in unbändige Freunde umschlug. 'Lily!!!!' Er rannte auf sie zu und warf sie beinahe zu Boden. Er war groß geworden. Sie hatte schon gehört, dass Kinder in seinem Alter in nur wenigen Monaten eine ganz schöne Veränderung durchmachen konnten, und das stimmte. Seine lockigen braunen Haare waren länger geworden. Er musste die Haare aus dem Gesicht schütteln um sie zu sehen.  Er sah hübsch aus, aber schon ein wenig erwachsener als beim letzten Mal. 

Schnell schüttelte sie die Erinnerung ab und setzte ihren Weg durch den Garten fort. Erleichtert kniete sie neben ihren Sachen nieder. Lily warf einen kurzen Blick in den Beutel um sich davon zu überzeugen, dass nichts einen großen Schaden durch den Sturz aus dem Fenster genommen hatte. Zufrieden verschnürte sie wieder alles sorgfältig und setzte den Rucksack auf. Den Beutel band sie sich um ihr Handgelenk, um ohne Schwierigkeiten über die Mauer auf der Rückseite des Grundstücks klettern zu können. Als sie oben saß, blickte sie auf ein weites Pechschwarzes Feld. Sie ließ sich auf der anderen Mauerseite herabgleiten und stand nun vor ihrer nächsten Aufgabe.





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Was denkst du?

Instagram